Erdölsuche im spanischen Mittelmeer oder: Wozu dienen eigentlich Gesetze?

13/04/2015 at 20:46

Die Entscheidung über die Erdölsuche des schottischen Ölriesen Cairn Energy im Golf von Valencia (also direkt vor Ibizas Küste) lässt auf sich warten. Zudem gibt es weitere Explorationsprojekte anderer Mineralölkonzerne im Seegebiet der Balearen, die als ernste Bedrohung eingeschätzt werden müssen. Wiederholt deckte die Allianz Mar Blava, die seit Juni 2013 gegen die Erdölsuche im spanischen Mittelmeer kämpft, Irregularitäten und Gesetzwidrigkeiten bei der Abwicklung der Explorationsprojekte auf.

Kürzlich wurde bekannt, dass die spanische Regierung vor der Genehmigung der seismischen Messungen des Unternehmens Seabird Exploration, „in freien Gewässern des Golfs von León, vor den Küsten Kataloniens und der Balearen“, die französische und italienische Regierung hätte konsultieren müssen. Laut geltenden nationalen Gesetzen und europäischen Direktiven hätte Madrid alle Informationen über das Projekt und dessen Umweltverträglichkeit an die Nachbarländer weiterleiten und deren Entscheidung einbeziehen müssen. Denn diese seismischen Messungen, bei der weitflächig Schalldruckkanonen eingesetzt werden, könnten nach Ansicht der Allianz Mar Blava auch „signifikante Auswirkungen“ auf die Meeresfauna der Anrainerländer haben.

Trotzdem ignorierte die Zentralregierung in Madrid die Gesetzeslage. Aufgrund dieser Versäumnisse hat die Allianz Mar Blava einmal mehr beim spanischen Umweltministerium offiziell Einspruch gegen das Seabird Exploration-Projekt erhoben. Aus gutem Grund: Die Erdölsuche der Unternehmen Cairn Energy und Seabird Exploration betreffen ein riesiges Seegebiet, und sie werden Auswirkungen auf die Migrationsroute der in diesen Gewässern heimischen Meeressäuger haben. Bei den entsprechenden Umweltstudien hätte man deshalb die negativen, synergetischen Effekte beider Projekte berücksichtigen müssen. Dieser Aspekt sei von den Unternehmen Cairn Energy und Seabird Exploration sowie der spanischen Zentralregierung nicht beachtet worden, urteilt die Allianz Mar Blava.

„Es ist völlig unverständlich, dass die Ministerien für Industrie und Umwelt bei der Abwicklung des Seabird Exploration-Projektes die notwenige Strenge vermissen lassen“, urteilt Diego Ponce, Sprecher der Allianz Mar Blava. Auch der Meeresbiologe Dr. Manuel Castellote, Mietglied des nordamerikanischen “National Marine Mammal Laboratory“, der im Auftrag der Allianz Mar Blava eine Studie über die geplanten seismischen Messungen durchführte, warnt vor den gravierenden negativen Auswirkungen auf die Meeressäugerpopulationen. Tausende Quadratkilometer werden über einen längeren Zeitraum akustisch verseucht. Selbst wenn sich die seismischen Messungen der beiden Projekte nur kurzfristig überschneiden, sei fast das halbe Mittelmeerbecken einem enormen Krach ausgesetzt. Vor allem das Überleben der Finnwal-Population sei gefährdet.